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Brauchen Ausbilder und Unterweiser Fortbildungen und wenn ja, wie oft?

Februar, 2022

Sowohl Unternehmer als auch Ausbilder treten häufig mit der Frage an uns heran, ob – und wenn ja, in welchen Abständen eine Fortbildung erfolgen sollte.
Hier die Antwort:

ArbSchG § 7 schreibt dem Unternehmer/Arbeitgeber vor, dass er nur geeignetes und qualifiziertes Personal einsetzen darf.
Qualifiziert ist man dann, wenn man sich auf dem Stand des Rechts und der Technik befindet. Deshalb ist der Arbeitgeber verpflichtet, seine Mitarbeiter regelmäßig zu unterweisen – bei Neuerungen sogar immer (ArbSchG § 12).

Mindestens 1 x jährlich haben arbeitsplatzbezogene Unterweisungen zu erfolgen (ArbSchG § 12, BetrSichV § 12, DGUV V 1 § 4). Das gilt auch für Ausbilder. Im Grunde genommen ist jede Fortbildung eine Unterweisung.
Für Kollegen, die nur ausbilden, heißt das, dass sie auf ihre Ausbildertätigkeit bezogen 1 x jährlich zu unterweisen sind.

Zum Großteil gehen Ausbilder in den Betrieben auch anderen Tätigkeiten nach, sodass nicht zwingend 1 x jährlich ausbilderbezogen zu unterweisen ist; jedoch sollte dies alle 2 – 3 Jahre der Fall sein.

Hier sei nur am Rande erwähnt, dass das Durchführen von Unterweisungen eine Unternehmerpflicht nach dem ArbSchG darstellt – im Falle eines Unfalles kann der Unternehmer/Vorgesetzte bei nicht ausreichend durchgeführten Unterweisungen in die Haftung genommen werden.

Der Begriff „Fortbildung“ wird ausdrücklich in der TRBS 2111 erwähnt:

5.3.1 Qualifikation für Tätigkeiten mit einem Arbeitsmittel

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung wird festgelegt, welche Qualifikation für Tätigkeiten mit einem Arbeitsmittel erforderlich ist, um mechanische Gefährdungen zu vermeiden, wie einschlägige Ausbildung, Erfahrungswissen, zusätzliche Qualifikation, Schulung oder Fortbildung ggf. mit Befähigungsnachweis, systematische Einarbeitung.“

- TRBS 2111

In der neuen TRBS 1203 „Zur Prüfung befähigte Personen“, in der es um die Anforderungen an diese Personen bei der Prüfung von Arbeitsmitteln geht, wird verlangt, dass diese sich durch „Teilnahme an fachspezifischen Schulungen oder Erfahrungsaustauschen“ auf dem aktuellen Stand befinden müssen (Punkt 3.3).
Das Gleiche gilt auch für Prüfsachverständige, z. B. für Krane.
So gibt Punkt 4.4 der TRBS 1203 wie folgt vor:

Die Anforderungen, sich auf dem aktuellen Stand zu halten, gilt als erfüllt, …

„… wenn Prüfsachverständige sich wenigstens alle drei Jahre durch Teilnahme an fachlichen Weiterbildungsveranstaltungen oder Erfahrungsaustauschen über den aktuellen Stand einschlägiger Regelwerke und Normen sowie den Stand der Technik hinsichtlich der zu prüfenden Krane und deren Verwendung weiterbilden. Der fachliche Bezug der Weiterbildungsveranstaltungen und Erfahrungsaustausche zu der tatsächlichen Prüfaufgabe muss gegeben sein.“

- TRBS 1203

Diese Forderung kann auf den Ausbilderbereich analog angewendet werden, denn es ist nicht nachvollziehbar, warum die Voraussetzungen an Ausbilder – also diejenigen Kollegen, die die Personen schulen und unterweisen, die die Arbeitsmittel bedienen – geringer sein sollen als an diejenigen, die die Arbeitsmittel prüfen. Beides ist gleichermaßen wichtig und steht auf einer Ebene.


So kann man im Ergebnis auf die „wenigstens alle 3 Jahre“ bestehende Fortbildungspflicht hinweisen.


Passende Fortbildungen, an denen Sie oder Ihre Mitarbeitenden teilnehmen können, um dieser Pflicht nachzukommen sind:


Anmerkung:
Bei einer TRBS handelt es sich um eine Regel der Technik mit sog. Vermutungswirkung. Der Unternehmer, der sich daran hält, hat den Anschein auf seiner Seite, korrekt und vorschriftsmäßig gehandelt zu haben.
Führungspersonen – und dazu zählen auch Ausbilder – über einen längeren Zeitraum nicht fortzubilden, ist kontraproduktiv im Sinne der Prävention und Unfallverhütung – unabhängig von der Möglichkeit einer juristischen Haftung, z. B. im Falle eines Unfalles mit Personenschaden (Regressmöglichkeit der Berufsgenossenschaft).

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